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Seit 1996 arbeiten Mitglieder der Kolping Jugend im ehemaligen KZ Ravensbrück. Sie leisten ehrenamtliche Arbeit, indem sie Unkraut vernichten, ganze Flächen vom Baumbewuchs roden oder Instandsetzungsarbeiten verrichten.
Auch in diesem Jahr trafen sich vom 4. Aug. 06 bis zum 10. Aug. 06 Kolping-Jugendliche aus dem Kosovo, aus Polen und aus Deutschland, um die ehrenamtliche Tradition aufrecht zu erhalten. Der Diözesanverband Berlin hatte die Idee, dass wir „alten“ Kolpinger einmal unsere Jugendlichen im KZ Ravensbrück besuchen, um uns mit deren Arbeit vertraut zu machen und gleichzeitig das KZ Ravensbrück kenne zu lernen.
Sieben Mitglieder unserer Kolpingsfamilie Siemensstadt fuhren am Sonnabend dem 5. Aug. 06 mit dem Zug nach Fürstenberg. Hier wurden wir mit einem Kleinbus abgeholt. In Ravensbrück sind wir herzlich begrüßt worden. Was ich erst später erfuhr war, dass die Begrüßung in einem Haus der ehemaligen KZ Aufseherinnen statt fand. Gegen 16:00 Uhr war eine Führung durch das ehemalige Frauen KZ organisiert. Da ca. 50 Kolpingmitglieder aus Berlin anwesend waren ergab sich mit den Jugendlichen eine stattliche Zahl die der Führung folgten.
Durch das ehemalige Eingangstor betraten wir das Gelände des KZ. Herr Kunz führte uns in ein Haus (dem ehemaligen Sitz der Kommandantur) in dem das ganze KZ maßgetreu aufgebaut ist. Hier erfuhren wir, dass im Mai 1939 das KZ für Frauen eröffnet wurde. KZ Häftlinge aus Sachsen hatten vorher Ravensbrück errichtet. Wie erwähnt wurden 1939 Frauen aus dem KZ Lichtenburg bei Witten nach Ravensbrück verschoben. Die ersten „Bewohnerrinnen“ dieses KZ waren überwiegend Anhänger Zeugen Jehovas, Sintis und Romas mit ihren Kindern.
Nach dem Überfall auf Polen am 1. Sept. 1939 wurden polnische Häftlinge in Ravensbrück eingeliefert. Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion im Oktober 1941 traf der erste Transport mit sowjetischen Frauen im Lager ein. 1941 wurde dem Frauen KZ ein abgetrenntes, kleineres Männerlager angegliedert. Danach ließ die SS weitere Baracken und einen Industriehof mit 20 Werkshallen für den Konzern Siemens& Halske in der unmittelbaren Nähe errichten. Zur Zwangsarbeit wurden hier Frauen aus dem KZ herangezogen. Die Häftlinge des KZ Ravensbrück wurden zum Lagerausbau, im Gartenbau sowie in der Textil- und Lederverwertung eingesetzt. Ab 1943 wurden die Frauen insbesondere für die Kriegsproduktion herangezogen.
Ab 1442 begannen „SS Ärzte“ in Ravensbrück mit medizinischen EXPERIMENTEN an hauptsächlich polnischen Gefangenen. Bakterien wurden intravenös gespritzt, gesunde wurden für ärztliche Versuche operiert. Zwangssterilisierungen und andere abartige Versuche wurden an lebendigen Frauen durchgeführt. Von über 800 Säuglingen die zwischen 1943 und 1945 im KZ auf die Welt kamen, starben die meisten innerhalb weniger Tage. 1945 wurde in Ravensbrück eine Gaskammer in Betrieb genommen, in der starben, bis zur Befreiung, ca. 5000 bis 6000 Häftlinge. Im April 1945 befreite die Rote Armee das Lager. Ca. 3500 Häftlinge befanden sich noch hier, da sie aus gesundheitlichen Gründen den „Todesmarsch“ nicht antreten konnten. Insgesamt starben im KZ Ravensbrück zwischen 1939 und 1945 ca. 30.000 Insassen aus über 20 Nationen.
Nach diesen ausführlichen Informationen hatten wir zum Beginn des Gottesdienstes noch etwa 30 Min. Zeit. Bei strömenden Regen besichtigte ich das weitläufige Gelände und stand plötzlich im sogenannten Rosengarten. Rosen sind das Sinnbild für Freude, Liebe aber auch für Tränen. Im Rosengarten fand ich eine Gedenktafel an dem Ort, wo sich ehemals die Gaskammer fand. War es der Regen oder meine persönliche Emotion die mich zum Taschentuch greifen ließen? Vielleicht 250 Meter entfernt befindet sich der Schwedt-See. In diesen wurden die menschlichen Reste aus der Gaskammer versenkt. Hier ist ein Mahnmal errichtet worden das eine Frau dargestellt, die aus dieser Bucht die Arme ausstreckt und die Freiheit sucht, die ihr aus der nahen Stadt Fürstenberg nicht gewährt werden konnte. Dass dieser Ort dem Freizeitsport und dem Badevergnügen nicht freigegeben wird, ist verständlich.
Um 18:00 Uhr zelebrierte unser Weihbischhof Wolfgang Weider die hl. Messe im Zellentrakt des KZ Ravensbrück. Während der Messe blickten wir auf Dunkelzellen, Prügelböcke und endlosen doppelt verriegelten Arrestzellen. Einfühlsame Worte unseres Weihbischofs ließen in uns nochmals das Unrecht erkennen, das im Namen des Deutschen Volkes hier geschehen ist. Nach der Messe bedankte sich der Weihbischof für die Einladung; dass er nach Ravensbrück kommen durfte und mit Kolping eine außergewöhnliche Messe feiern durfte. Gleichzeitig bedankte sich die Kolpingjugend mit einem guten Tropfen Wein und einem Namensschild das den Weihbischof als Kolpingsmitglied auswies. Nach der Messe saßen wir noch alle zusammen. Die Kolpingjugend grillte, auch Getränke wurden gereicht. Meiner Meinung nach, entsprach die Stimmung nicht einer Abschlussparty sondern dem Ausklang eines merkwürdigen und einmaligen Nachmittags.
Gegen 23:00 Uhr waren wir wieder in Berlin, wissend dass dieser Nachmittag uns viel gegeben hat.
Gerhard Buchholz
KF Siemensstadt
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