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Eindrücke von einer Kolpingfahrt in den Kosovo
Bereich: Kolping / Kolpingjugend
Mittwoch, 10. Dezember 2008
Vom 1. bis 5. 9. 08 reisten einige Mitglieder der Kolpingjugend Berlin in den Kosovo; nach Prizren, im äußersten Süden des schönen und armen kleinen Landes, dem früheren Illyrien, das zwei bis zweieinhalbe Mio. Einwohner hat, eines der jüngsten Länder Europas ist, eine Arbeitslosenquote von etwa 50 – 60% und ein monatliches Durchschnittseinkommen von 200 bis 220 Euro hat. Der Liter Benzin kostet aber auch 1, 30 €. Die staatliche Rente beträgt 40€ im Monat.
Wir Älteren, Monika und Gerhard Buchholz und ich durften mitfahren.
Unsere Jugendlichen waren: Daniel Buchholz, der diese Reise organisierte, Izabela Kozlik, Christian Rybot und Nicolas Welitzki aus Neukölln.
Ziel der Reise war es, die von Kolping angestoßenen Projekte zu besuchen und gegebenenfalls weiter zu unterstützen, sowie die Pflege der Kontakte zu den örtlichen Kolpingfamilien.
Einen Eindruck muss ich gleich vorausschicken: Selten, sehr selten bin ich in meinen nun reichlich über 60 Lebensjahren so gastfreundlich empfangen worden. Wir wurden von freundlichen jungen Menschen am Flughafen abgeholt und die gesamte Zeit begleitet. Fast täglich wurden wir zum Essen eingeladen, und das in einem Lande, das zu den ärmsten Europas gehört. (Darin stimmten wir alle überein.) Wir besichtigten Projekte in Stubbla, wo Kolping Berlin und Kolping Deutschland eine Tischlerei mit einem Kleinlaster und Maschinen unterstützt. Auch werden dort Jugendliche ausgebildet.
Ein Abstecher brachte uns zur schwarzen Madonna von Letnice, einer wunderschönen Wallfahrtskirche ohne die sonst üblichen Andenkenläden! Hier soll Schwester Theresa beschlossen haben, ihr Leben den Armen zu weihen.
In Pristina wurden uns am nächsten Tag in einem Vortrag an der dortigen Universität Chancen und Probleme des Kosovo dargelegt. Die Sprachschwierigkeiten haben wir mit der Hilfe unserer Gastgeber hervorragend gemeistert. Ein Gang durch die Stadt schloss sich an.
Im Kindergarten in Bec haben wir den Pinsel geschwungen und die Küche des Kindergartens gestrichen und sind auf dem Boden herumgekrochen, um die Farbflecken wieder zu entfernen. Große Freude war in den Gesichtern der Schwestern zu lesen.
Dieser Besuch war für mich der Höhepunkt der Reise, denn selten habe ich einen Menschen getroffen, wie den Kolpingpfarrer des Kosovo, der so viel Güte und Herzenswärme ausstrahlt, wie dieser Geistliche mit seinen Wuschelhaaren. Dort wurden wir über die Probleme des Kosovo informiert. Viele, zu viele junge, gut ausgebildete Menschen verlassen den Kosovo und kehren nie zurück. Daher ist auch die Fluktuation in den Kolpingfamilien recht groß; plötzlich ist wieder jemand ins Ausland gegangen. Obwohl es nur zum Nötigsten reicht, versuchen sie, sich gegenseitig und ihren Mitmenschen zu helfen. So haben sie nach dem Krieg vor neun Jahren in einem moslemischen Dorf geholfen, die zerstörten Dächer wieder herzurichten. Darauf ist die gesamte Bevölkerung des Dorfes zum Katholizismus konvertiert. So wurde noch von vielen Projekten berichtet. Von dort ging es in ein entlegenes Dorf, Glodjian, irgendwo in der „Wildnis“, dessen Kindergarten von Kolping mit allen nötigen Dingen unterstützt wird. Besonders freute sich die verantwortliche Schwester über die Medikamente, denn viele Menschen dort sind zu arm, um sich derartigen „Luxus“ leisten zu können. So kann sie doch einigen Menschen helfen. Dank des Einsatzes von Monika Buchholz kann diese Hilfe fortgesetzt werden.
Das neue Kolpinghaus in Prizren darf nicht vergessen werden, denn dort sollen junge Menschen in Fächern wie Wirtschaftslehre, Informatik etc unterrichtet werden. Wenn sie dort den Abschluss erreichen, haben sie auf dem Arbeitsmarkt eine vierfach bessere Chance als die Absolventen der Uni in Pristina. Hierfür zu spenden ist sinnvoll.
Unser Dank gilt allen, die diese Reise ermöglicht haben und vor allem unseren Gastgebern im Kosovo, die uns tiefe Einblicke in ihre Situation und bleibende Eindrücke durch ihre Offenheit ermöglicht haben.
Für mich war der Kosovo ein schwarzer Fleck auf der Landkarte, wo die Bundeswehr Dienst tut – der übrigens von der dortigen Bevölkerung sehr geschätzt wird (Frage von mir: „Was bedeutet Ihnen KFOR?“ Antwort der Einheimischen:“ Frieden und Ruhe.“).
Ebenfalls müssen wir uns bei Valentin bedanken, der uns als Fahrer immer zur Verfügung stand und uns mit seinem kosowarischen Fahrstil sicher an die oft weit entfernten Ziele brachte, sei es bei Tage oder bei Nacht. Darüber hinaus hat er unseren Glauben gestärkt, denn nach jeder Zielankunft drängte es uns in die Kirche, um dem lieben Gott und dem hl. Christopherus für ihren Schutz zu danken.
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